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Let´s talk about shamanism!


Krafttiere wohnen in der unteren Welt. Rally?


Grundlage schamanischer Weltbilder ist das Wissen darum, dass es nicht nur eine, sondern verschiedene Wirklichkeiten gibt. Wir sprechen von Welten – ach übrigens: und wir meinen es auch so!

Der Ansatz, schamanische Weltbilder oder Weltenmodelle zu psychologisieren oder in Vorstellungen wie „höheres Selbst“, „niederes Selbst“, „inneres Kind“ einzusortieren ist NICHT schamanisch, sondern psychologisch!


In den meisten tradierten Schamanismen gibt es so was wie eine Unterteilung in „Stockwerke“ dieser Welten.

Häufig sind diese Stockwerke auch durch die Zahl drei teilbar – nicht immer und überall, aber doch recht oft. In Anlehnung an diese Überschneidung vieler tradierter schamanischer Weltbilder sprechen wir im Core Shamanism von der mittleren, der oberen und der unteren Welt.

Ich schreibe ganz bewusst „untere Welt“ und nicht „Unterwelt“, weil dieser Begriff bei uns kulturell schon stark belegt ist mit bestimmten Vorstellungen. Die untere Welt ist aber so viel mehr als die abendländische Vorstellung der Unterwelt!


Diese Welten sind belebt und bevölkert von Wesen. Eine der Aufgaben von Schaman:innen ist es, diese Welten willentlich zu wechseln und Kraft und Informationen aus einer Welt in die andere zu transportieren. Dies tun sie meist mit großer Klarheit und Präzision.

Dazu muss man natürlich auch wissen, was man tut, wenn man schamanisch reist und nicht nur irgendwelche Phantasiereisen unternimmt. Für manche, die ich kenne ist es nicht notwendig, permanent zu wissen, in welchem „Stockwerk“ sie unterwegs sind, um präzise auf den Punkt zwischen der Geisterwelt und der Menschenwelt zu vermitteln.

Für andere ist es superwichtig. Aber egal, ob man das bewusst klar hat oder nicht: es ist immer wichtig zu wissen was man tut, wenn man schamanisch wirken möchte.

Wenn wir zum Chirurgen gehen, möchten wir sehr wohl, dass er unsere Leber von unseren Nieren, unsere Muskeln von unseren Blutbahnen, unser Herz von unserem Magen unterscheiden kann. Wenn wir einen Elektriker rufen, möchten wir gerne, dass er die Elektrik in unserem Haus von den Wasserleitungen unterscheiden kann.

Wenn wir zur Schamanin, zum Schamanen gehen, möchten wir, dass er Geist von Seele unterscheiden kann, und auch dass er sich in den Welten der Anderswelt zurechtfinden kann!


Ein großer Unterschied zwischen den neu entstehenden europäischen Schamanismen und tradiertem Schamanismus ist, dass es im traditionellen Schamanismus teilweise sehr klare Vorstellungen, sehr klares Wissen darum und sogar ganze Landkarten darüber existieren, wer in welcher Welt wohnt, was dort für Kräfte herrschen und wie man mit diesen umzugehen hat.

Wir müssen das oft erst für uns erforschen – und das kann sich auch unterscheiden, nicht alles ist in allen Schamanismen deckungsgleich. Umso wichtiger ist es, dass wir präzise umgehen mit dem, was wir erfahren und dem was wir lernen – und auch dem was wir lehren!

Ich habe die letzten Jahre mehrfach mit Menschen gearbeitet, die bereits schamanisches Reisen erlernt hatten, bei denen es aber deutliche Verwirrungen gab bezüglich der Verortung ihrer eigenen Kraft - und der unteren Welt(en).


Ich möchte hier ein großes Missverständnis ansprechen, das in unseren Kreisen kursiert!

Die meisten, die keinen traditionellen Schamanismus gelernt haben und schamanisch wirken, haben irgendwann irgendwo irgendeine Form des Core Shamanism gelernt, eine Methode, die Michael Harner, ein US-amerikanischer Anthropologe entwickelt hat.

Im Core Shamanism gibt es ein relativ einfaches „Kochrezept“, wie man schamanisches Reisen lernt.

Das kann man in einem Wochenendseminar (inzwischen auch in Eintägern oder noch kürzer) lernen. Man folgt immer der selben Struktur: man sucht sich einen „Grundstock“ an Verbündeten Spirits, schafft sich einen ersten Überblick über mittlere, untere und obere Welt und dann kann es los gehen mit der eigenen Forschung.

Deshalb heißt das auch „Core Shamanism“ - auf den Kern reduziert. Es handelt sich um ein bloßes Knochengerüst, das mit Leben gefüllt werden möchte. Ohne kulturelle oder spirituelle Hintergründe oder Überbauten.


Aber zurück zum Thema.

Der erste Schritt ist die Verankerung in er mittleren Welt: das finden des eigenen Kraftplatzes. Der nächste Schritt ist dann: das rufen oder finden des Krafttiers.

Da fängt es schon an. In der westlichen Spiri-Szene wird unkommentiert angenommen, dass es sich um einen feststehenden Begriff bzw. um einen feststehenden Spirit handele, den alle Schaman:innen, alle, die schamanisch wirken kennen und den man erst mal holen muss.

Viele setzen sich überhaupt nicht damit auseinander: was meine ich eigentlich, wenn ich von Krafttier spreche. Ich schweife schon wieder ab, ich will auf die untere Welt hinaus:

In einem klassischen Basis-Seminar in Core Shamanism kommt nach dem Kraftplatz in der mittleren Welt die erste Reise in die untere Welt, um das Krafttier zu holen.

Daraus ist die Vorstellung entstanden, dass die Krafttiere in der unteren Welt ihren angestammten Ort haben. Das ist eine Verwechslung!


Daraus entstehen dann so Stilblüten wie Menschen, die für jede Begegnung mit dem Krafttier in die untere Welt reisen oder sogar (auch schon erlebt) Menschen, die dann ihren Kraftplatz sogar in der unteren Welt verorten. Alles haargenau so gelernt von Menschen, die „Schamanismus“ unterrichten. Für diese Menschen entsteht zusätzlich zu ihrem Leidensdruck, den sie als Mensch sowieso schon haben eine große Verwirrung, die sich auf ihr Leben auswirkt, das ist kein Spaß und alles andere als lustig.

Wenn ein Mensch anfängt, die eigene Kraft und die Verbündeten, die uns helfen, uns mit dieser verbunden zu halten, in der unteren Welt zu verorten, so handelt es sich um eine VERWIRRUNG und spirituelle oder energetische Verwirrung kann sich fatal auf das eigene Leben auswirken. Unsere persönliche Kraft als Menschen ist in der mittleren Welt verortet. Nirgendwo anders. Ja, es gibt andere Anteile in uns, für die das vielleicht nicht gilt, aber um verantwortungsvoll zu schamanisieren MÜSST Ihr Euren Platz in der Welt/ in den Welten kennen und der ist: HIER!


Harner wird in seinem Buch: „Die Wirklichkeit des Schamanen – ein Wegweiser in verborgene Welten und Bewusstseinsräume“ gefragt, warum die Krafttiere in der unteren Welt geholt werden. Er antwortet darauf, dass es sich dabei lediglich um eine Übung handele, damit die Leute im Basiskurs auch einfach mal in der unteren Welt waren. Auch ich bin darauf nur durch Zufall gestoßen, weil ich eigentlich gar keine Bücher lese und das irgendwo rumlag wo ich zu Besuch und es mir langweilig war.

(Lustigerweise hatte ich mir die Frage bereits zuvor gestellt, warum das eigentlich so ist...)


Daraus ist in der europäischen schamanischen Szene geworden: die Krafttiere findet man in der unteren Welt. Daraus wird: Krafttiere wohnen in der unteren Welt. So entstehen Mythen.

Das muss ja per se nicht schlimm sein. Aber wenn dann solche Verwechslungen entstehen wie: immer wenn ich mit meinem Krafttier in Kontakt gehen möchte, muss ich in die untere Welt reisen – und das dann noch einer Person passiert, die sowieso Schwierigkeiten hat, ihre Kraft dorthin zu verankern, wo sie hingehört, nämlich in die mittlere Welt, da wo wir Menschen wohnen, dann kann das schlicht zu (noch mehr) Leidensdruck führen.

Eine Person kam zu mir, wegen ganz anderer Anliegen, es stellte sich heraus, sie schamanisiert selber und verortet ihren Kraftplatz in der unteren Welt. Komplettes energetisches Durcheinander. Menschenkraft gehört in die mittlere Welt!


Und das ist der Grund, warum ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass schamanisches Reisen und Schamanismus ein Handwerk ist, das gründlich über Jahre gelernt und verantwortungsvoll gelehrt sein will.

Als ich das Thema neulich in einer schamanischen Gruppe ansprach, wurde das Schulterzuckend kommentiert mit, da hat ja jede:r eine eigene Meinung.

Nun, ich bin absolut allergisch gegen Dogmen, ja, und bei vielen Themen stimme ich zu: frage zehn Schaman:innen und Du bekommst mindestens zwölf Antworten!


Aber: wenn der Begründer einer Methode darauf hinweist: in die untere Welt zu reisen, um ein Krafttier zu holen werde lediglich von ihm so angeleitet, damit die Leute da mal waren ist das ein grundlegender Unterschied zu: die Krafttiere wohnen dort!

Das ist aber das, was wir inzwischen unhinterfragt weitertragen und daraus entstehen für die, die lernen unter Umständen Verwechslungen.

Und diese Verwechslungen haben energetische Auswirkungen und diese führen wiederum zu Leidensdruck.

Mit so etwas sollten wir uns kritisch auseinandersetzen und wir sollten das auch wenn es sein muss hitzig diskutieren.


Nicht weil es darum geht, etwas besser zu wissen oder Recht zu haben, sondern es geht darum, dass wir für die Menschen, die bei uns lernen nicht zusätzliches Leiden schaffen, weil durch das was wir lehren spirituelle Verwirrung entsteht.


Krafttiere (erstens: setzt Euch mit der Frage auseinander, von welcher Art Spirit oder welchem Phänomen spreche ich, wenn ich von Krafttieren spreche?) wohnen nicht in der unteren Welt, das ist eine Verwechslung. Fragt Onkel Michael!


Übrigens: wenn Du erste Schritte in schamanischem Reisen gehen oder Dein Wissen und Können mit mir vertiefen möchtest, der nächste Basiskurs findet am 6.&7. Juni in Freiburg im Breisgau statt.



 
 
 

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